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Erste SUP Querung der Finnischen Seenplatte

Rund 300km in 13 Tagen

Wir zwei, Günter und Barbara, starteten am 1. Mai 2016 per Standup Paddle Board in die Finnische Wildnis, ausgerüstet mit Zelt, Kocher und Essensvorräten. Der Plan: auf den Spuren historischer Schifffahrtswege von Nurmes bis zum Beginn des Saimaa Kanals in Lappeenranta zu paddeln.

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Informationen zu unseren SUP Reisen und Touren

Ein Reisebericht über gigantische Seeflächen, winterliches Eis, felsenhafte Seerobben und schwimmende Rehe. Über die Finnische Zurückhaltung, Jedermanns Recht auf Natur und ehrliche Lagerfeuer.

Durch den Rückzug der Gletschermassen nach der Eiszeit wurden die Seebecken der Finnischen Seeplatte gebildet. Heute ergeben unzählige größere und kleinere Gewässer eine zusammenhängende Seefläche von über 100.000km². Diese größte Seenplatte Europas bedeckt einen großen Teil Südfinnlands, bestehend aus vielen, meist bewaldeten Insel- und Halbinselgeflechten, durchzogen von natürlichen Becken, Wasserengen, natürlichen und künstlichen Kanälen unterschiedlicher Größe. An manchen Stellen sieht man das gegenüber liegende Ufer nicht, an anderen Stellen geht es durch enge Kanäle und Schilf.
Ein Naturerlebnis der Sonderklasse: abwechslungsreich, wunderschön, außergewöhnlich.

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Diese Seenfläche werden wir als Erste Standup Paddler überqueren. Über Landkarten, Bücher und Bildschirm gebeugt, hat Günter während des vergangenen Winters unserer Route ausgearbeitet und mit all seiner Expeditionserfahrung die notwendige Ausrüstung für diese Tour zusammen gestellt. Jetzt ist es so weit: Nach unserem Besuch bei Freunden in Tampere fahren wir über den westlichen Teil der Finnischen Seenplatte Richtung Nordosten. Wir wollen nach Joensuu und weiter nach Nurmes, um dort unsere Tour zu starten. Bereits kurz nach Jyväskylä sehen wir die ersten kleinen zugefrorenen Seen, wir erklären uns das mit „Schattenloch“ und „windgeschützt“ und lassen uns die Laune nicht verderben. Positiv eingestellt freuen wir uns darauf, in wenigen Tagen „in See zu stechen“.
Als wir in Joensuu ankommen sehen wir erstmals die Dimensionen dieser riesigen Seenflächen, von denen wir bisher nur gelesen und gehört haben. Doch das Ufer schimmert weiß und der Wurf eines großen Steins, der von der Oberfläche abprallt, bestätigt: dickes Eis.

Erstmal Ruhe bewahren. Mit den Locals sprechen. Ein junger Kajakfahrer und einige Fischer versichern uns, dass in wenigen Tagen der Wind und die warmen Temperaturen das Eis des Pynöselka Sees, der in Joensuu beginnt und sich Richtung Süden zieht, geschmolzen haben würden.
Unseren geplanten Einstiegspunkt Nurmes noch weiter nördlich haben wir bald abgeschrieben, denn der Pielinen See als nördlichster Teil der Seenplatte ist mit noch dichterem Eis überzogen. Wir müssen unseren ursprünglichen Plan abändern und beschließen, am übernächsten Tag in Eno, etwa 70 Flusskilometer nördlich von Joensuu zu starten. So hätten wir 2 bis 3 Tage am Fluss ohne Eis, könnten uns mit der geringen Strömung einfahren, und das Eis am See ab Joensuu würde bis dahin geschmolzen sein. Die letzten Dinge werden besorgt und Günter bereitet die notwendigen, überlebenswichtigen Kleinigkeiten vor: mal bastelt er an Brillenbändern, mal an den Packsäcken, alles muss sicher befestigt werden, dass es im Falle eines Sturzes nicht untergehen kann. Essensvorräte und die geplanten Tage werden gezählt.

In Eno ist es spürbar wärmer, und wir finden ein herzliches Ehepaar, dem wir kurz unser Vorhaben erklären. Ilse und Marko sind sofort einverstanden, unser Auto für ca. 2-3 Wochen auf ihrem Grundstück direkt am Flussufer zu beaufsichtigen. Wir beginnen, in ihrem Garten unsere Utensilien zu verstreuen und konzentrieren uns auf den logistischen Teil der Unternehmung. Günter hat alles im Griff und Teil für Teil verschwindet in den Drybags. Inge kann es nicht glauben wie das alles funktionieren soll und beobachtet uns lachend. Sie bringt uns Finnische Reistaschen und Wein zur Jause. Wir freuen uns über die Wettervorhersage für die kommenden Tage: ruhiger Hochdruck.

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Tag 1
Wir gehen es gemütlich an, überprüfen nochmal alles, bekommen sogar ein Frühstücksei und Marmeladekrapfen. Schließlich sind wir startbereit, die Boards sind aufgepumpt, jeweils 4,2 Meter lang und 80cm breit, die insgesamt 4 Drybags befestigt, 2 Trinkwasserbags aufgefüllt. Nun heißt es Trockenanzüge anziehen, ein paar Fotos beim Ablegen, und schon paddeln wir los.
Es geht voran, wir balancieren uns ein, machen etwas Paddeltechnik. Am ersten Kraftwerk bei 400 Meter Fußmarsch wird uns bewusst, dass trotz Reduktion auf das Wesentliche einige Kilos an Equipment erhalten geblieben hat. Kurze Pause, ein Müsliriegel. Weiter geht es durch beinahe stehendes Gewässer, rundherum ist alles voller Wald. Dann verbreitert sich der Fluss schlagartig und wir biegen scharf rechts in eine offene, seeartige Fläche ein. Der Wind von vorne wird immer stärker, wir müssen knien, um den Widerstand zu verringern, und paddeln kniend wie wild Richtung Kanaleinfahrt, die wir endlich erreichen. Erstes Nachtlager am Beginn des historischen Kanals, unweit des dazugehörigen Museums mit seinen rundherum verteilten Schaustücken. Wir schlagen unser Zelt auf, Günter kocht, ich bin müde und happy über meinen ersten Paddeltag. Auch die Scharen von Gänsen und verschiedenen Wasservögel, die wir unter Tags bereits beobachten konnten, kommen an Land. Außer deren Geschnatter ist kein Geräusch zu hören.

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Tag 2
Nachdem wir unser Lager aufgeräumt und verstaut haben starten wir früh los, nur auf kurzen Abschnitten hilft uns die leichte Strömung. Zwischendurch kurzes Frühstück. Es gibt wieder einen im Fluss eingelagerten „See“, aber zum gestrigen Kampf ist es heute kein Vergleich: Windstille, gemütliche Schilfufer, dunkles, klar spiegelndes Wasser. Am frühen Nachmittag gehen wir an Land um zu kochen. Wir beschließen, heute noch bis Joensuu durch zu fahren, Günter verspricht mir dafür Pizza und Landebier, diese Aussichten helfen mir durchzuhalten. Nach 11,5 Stunden reiner Paddelzeit legen wir im kleinen Hafen an der Flussmündung in Joensuu an. Ich schaffe es mit steifem Rücken und schmerzenden Knien beinahe nicht mehr, von Board zu steigen. Trinkwasser wird getankt und bei untergehender Sonne schlagen wir endlich unser Lager auf. Trotz des beengenden Zelts schlafe ich stolz auf mich selbst sofort ein.

Tag 3
Der gestrige lange Tag sitzt mir spürbar in den Knochen, doch die Aussicht auf unsere erste lange Seequerung und die vor uns liegende Wildnis wirkt auf mich sehr motivierend. Alles einpacken, kurzes Frühstück im Stehen, bei Sonnenaufgang lospaddeln. Wir spüren bald die kühle Luft, und nach wenigen Kilometern kommen wir dem weißen Etwas immer näher. Auch eine spontane Abweichung von der geplanten Route Richtung Ostufer macht uns klar: das Eis reicht bis zum Ufer, hier kommen wir nicht durch! Erst einmal anlegen, eine Kleinigkeit essen und nachdenken wie es weiter gehen könnte. Während wir nach Joensuu zurück paddeln besprechen wir mögliche neue Wege und Varianten. Beim Abendessen steht unser Entschluss fest: wir werden am Westufer entlangfahren, um an der nächstmöglichen eisfreien Stelle den großen See zu queren. Und wieder Zelt aufbauen.

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Tag 4
Gleich nach wenigen Kilometern wird unsere Annahme bestätigt: die Strömung treibt das immer brüchiger werdende Eis ständig zur südöstlich liegenden Seefläche, daher ist das Westufer des gigantischen Sees offen. Kurzer Zwischenstopp zum Frühstücken und weiter geht’s. Während wir dahin paddeln, wird die Wasserfläche immer größer und offener, an den immer kleiner werdenden Ufern spiegelt sich der Wald. Nun sind wir erstmals mitten drin, auf einem dieser gigantischen Seen, das gegenüberliegende Ufer ist nicht zu sehen. Zwischendurch gibt es einen Müsliriegel an Board. Und wir paddeln.
Erst irgendwann im Abendlicht legen wir zufrieden über unsere neue, eisfreie Routenwahl an einer schönen Landzunge an. Es ist schwer einen Zeltplatz zu finden, da alles bewaldet ist. In der ewigen Dämmerung des Nordens kocht Günter nach einem von ihm eigens vorbereiteten Essensplan auf dem Expeditionskocher, es ist still.

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Die Logistik des Lagererrichtens und -Aufräumens habe ich nach wenigen Tagen intus. Zuerst den richtigen Platz zum Anlegen wählen, am felsigen und bewaldeten Ufer, die Boards und das Gepäck in Sicherheit bringen. Dann muss ein möglichst ebener Zeltplatz gefunden und von spitzen Zweigen und Steinen gesäubert werden. Gar nicht einfach zwischen den dichten Bäumen und in dem wilden hügeligen Gelände.
Wir bleiben den gesamten Tag, in kalten Nächten sogar zum Schlafen, in unseren Trockenanzügen. Abends Daunenjacken drüber und Mützen auf, sobald die Sonne niedrig steht wird es kalt. Mehr als Gesicht und Händewaschen ist bei den kalten Wassertemperaturen um die 4 Grad nicht drin. Erst im Zelt, nachdem wir gekocht, gegessen, abgewaschen und die Liegematten aufgeblasen haben, schlüpfen wir aus den Anzügen in die Schlafsäcke.
Alles hat seinen Platz. Die 4 Bags werden jeden Tag je nach Gewicht auf den beiden Boards verteilt, alles muss wasserdicht verstaut sein, die Kameras immer griffbereit und alles gegen eventuelles Runterfallen gesichert. Die warmen Jacken sind immer oben auf, um sie abends als erstes zur Hand zu haben. Wie so oft sind wir happy über die Leichtigkeit und Isolierfähigkeit unserer Ausrüstung.

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Tag 5
Heute werden wir bei Dämmerung von uns unbekannten Geräuschen geweckt. Um unser Zelt herum scheint es zu vibrieren, lautes Geschrei, immer wieder tapst etwas auf unserer Zeltplane herum. Nach einem kurzen Moment der Ahnungslosigkeit erkennen wir das Geplappere und Geschnattere verschiedener Enten und Vögel, die sich offensichtlich um den ersten Fischfang des Tages streiten.
Während wir unsere Sachen packen staunen wir über das schöne Morgenlicht, das hier im Norden über eine lange Zeitspanne von 2 bis 3 Stunden den Tag einläutet, und kommen früh aufs Wasser. Im kurzen Stück des künstlichen Kanals haben wir zuerst etwas Gegenwind. Wir legen an, um zu frühstücken. Danach überqueren wir eine enorm beeindruckende, richtig große Seefläche. Nur 1 kleine Insel dient Günter zwischendurch als Orientierungspunkt. Bei wenig Wind aus Ost wird wieder unser rechter Schlag geübt. Wir kommen gut voran, so ein Wetterglück!
Nach mehreren Stunden paddeln machen wir Pause und kochen Mittagessen in einem kleinen Dorf Namens Savonranta. Mehr als ein paar verlassene Häuser gibt es hier nicht. Bereits jetzt erscheint mir unsere Ernährung aus Fertiggerichtpackungen ziemlich eintönig. Die von der intensiven Sonne verbrannten Hautstellen an Händen und im Gesicht, welche von unserem Trockenanzug nicht bedeckt werden, machen sich schmerzhaft bemerkbar. Günter bastelt uns aus kleinen Stoffstücken Handrückenschützer. Er treibt mich weiter, weiter… am Ende des Tages finden wir ein wunderschönes kleines Inselchen, kaum ein paar Meter ragen die grauen Felsen über den Wasserspiegel heraus, weiches Moos und farbige, flechtenartige Gewächse lassen uns staunen. Ein paar kleine Bäume wachsen aus den wenigen Erdstellen, hier sind wir völlig alleine, nichts als Wildnis. Unser kleines Abendessen besteht aus Brot und Käse, müde bauen wir unser Zelt im letzten Abendlicht auf.

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Tag 6
Abfahrt von unserer Insel, den gesamten Tag haben wir Gegenwind, die meiste Zeit paddeln wir kniend, das ermöglicht weniger Hebel und bringt geringeren Luftwiderstand. Es ist menschenleer. Die vereinzelten Wohn-, meist Ferienhäuser liegen meist in Ufernähe, die Läden sind verschlossen, im Schatten der Bäume warten sie auf die Sommerfrischler. Die separat stehenden Saunahütten haben immer den prominenteren Platz direkt am Seeufer. An manch einem verlassenen Steg machen wir Pause und ich strecke meine müden Glieder. Wir arbeiten uns vorwärts. Von Landzunge zu Insel, von Felsen zu Baumwipfel, immer gibt es einen folgenden Anhaltspunkt, einen Richtungsgeber, ein nächstes Etappenziel.

Wir durchpaddeln einen sehr schönen Streckenabschnitt abseits der Haupt-Schiffsroute, durch schilfige Seitenarme, bis wir schließlich auf die für uns bisher größte offene Seefläche stoßen, den Aimisvesi nördlich von Savonlinna. Wir befinden uns am Beginn des großen Linnansaaren Nationalparks, hier gibt es seltene Seerobben, deren Fell die gleiche Farbgebung wie die Felsen an den Ufern hat, daher sind sie mit freiem Auge sehr schwer auszumachen. Die Sonne steht bereits tief, nach längerer Suche finden wir einen geeigneten Anlegeplatz und eine flache Schlafstelle. Wenn wir an Land gehen, schwankt die Erde. Und wieder Zelt aufbauen.

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Tag für Tag arbeite ich an einem Detail meiner Paddeltechnik, bei 7 bis 11 Stunden reiner Paddelzeit täglich gibt es dafür Zeit genug: zuerst der Winkel des Paddelblatts für die Richtung, die Tiefe des Einstechens. Dann die Länge des Zugs, die Ausholbewegung nach vorne, das Einstechen und das Herausführen des Paddelblatts bei möglichst wenig Gurgelgeräusch. Die Länge des Paddelstiels, die Grifffeste von Finger- und Handgelenken, welche Muskelgruppen sind wann am Arbeiten. Die Balance an Board, links und rechts zu welchem Zeitpunkt des Schlages, die Verteilung des Gewichts der Bags und des Körpers…. irgendwann sind Schlag- und Atem-Rhythmus miteinander verbunden, und ich kann stundenlang dahin paddeln.

Tag 7
Bald nach den ersten Kilometern dieses Tages werden wir von hinten überrascht: ein riesiges Holzlastenschiff taucht hinter uns auf und kommt immer näher. Es fährt jene Schiffsroute entlang, auf der seit einigen hundert Jahren Holz aus dem Norden bis an die Ostsee transportiert wird. Anfangs wirken Größe und Zuladung des sich nähernden Schiffes beängstigend, auf gleicher Höhe angekommen, staunen wir und fühlen uns neben unserem schweren „Kollegen“ ziemlich klein.
Erstmals haben wir leichten Rückenwind und verwenden unsere, von Günter extra konstruierte „Beinsegel“, eine Art Wingsuite, aus einem alten Gleitschirmtuch gebastelt. Damit lassen wir uns am Nachmittag die letzten 2 Stunden der Strecke gemütlich über den See treiben und reiten schließlich in Savonlinna um die beeindruckende, Jahrhunderte alte Burg herum ein. Es ist ein kleines Städtchen mit gemütlichem Hafen als Herzstück. Wir holen uns Bier und Pizza und feiern dieses fürs Gemüt wichtige Etappenziel. Wir schlagen quasi mitten in der Stadt unser Nachtlager auf, auf einem kleinen Felsvorsprung, durch wenige Bäume geschützt.

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Tag 8
Auch am folgenden Tag, den wir als Rasttag überwiegend im Schatten liegend verbringen, scheint sich dort niemand an uns zu stören. Die wenigen einheimischen Passanten halten Abstand, erst durch unsere Ansprache taut manch einer auf, stellt verwundert Fragen über unser Projekt und ist sehr auskunftsfreudig. Unsere Handrücken sind von den vielen Sonnenstunden und dem trockenen Klima völlig ausgedörrt, Risse in Haut und Lippen werden spürbar. Wir holen Infos über den vor uns liegenden Streckenabschnitt ein, der für Günter hinsichtlich Orientierung vermutlich eine besondere Aufgabe wird. Es handelt sich um eine, von vielen unüberschaubaren Inselgeflechten geprägte, labyrinthartige Seenlandschaft. Durch Zufall bekommen wir einmaliges Kartenmaterial und freuen uns auf die nächste Etappe im Gebiet des berühmten Saimaa-Sees. Essensvorräte werden aufgestockt, Trinkwasser getankt, die Wettervorhersage verspricht weiterhin blauen Himmel.

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Tag 9
Trotz unseres frühen Aufbruchs in die zweite Etappe unseres Unternehmens haben wir früh harten Gegenwind, meist sogar Seitenwind – für mich die schwierigste Bedingung. Dazu fehlen mir sowohl die passende Technik im Detail, als auch die Kraft. Mehrmals laufe ich Gefahr, abgetrieben zu werden. Trotz der harten Bedingungen bemerke ich die besonders schöne Landschaft dieses Abschnittes, der durch viele kleine Inseln und natürliche schmale Kanäle führt. Als wir dann auch noch ein Reh beobachten, das quer zu unserer Paddelrichtung ans nächste Ufer schwimmt, seine großen Ohren wachsam hoch gestreckt, und sich schüttelnd aus dem Wasser steigt, habe ich alle Anstrengung dieses Tages vergessen. Unglaublich!

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Tag 10
Unter der Mini-Brücke von Telataipale durch – 2 Meter breit, 1,5 Meter hoch – geraten wir in das anschließende Kleinod, ein einzigartiger Seitenarm mit viel Schilf. Darauf folgt eine lange mehrstündige Gerade mit enorm großflächigem Wasser – was für eine abwechslungsreiche Strecke! Immer wieder werden wir von großen Schwärmen von Gänsen begleitet, die mit lautem Geschnatter in Formation über uns hinweg ziehen. Tag für Tag gewinnen wir an körperlicher Kapazität dazu, meine Muskeln haben sich an die Bewegung gewöhnt, die Paddeltechnik wird immer ausgefeilter. Trotzdem machen wir, wie bereits an mehreren Tagen davor, eine längere Mittagspause. Zur windstärksten Tageszeit gehen wir an Land und kochen.
Obwohl es in den Bäumen selbst um 18.00 Uhr noch rauscht, legen wir wieder los. Wir pirschen uns in den Leebuchten weiter voran, dunkle Wolken türmen sich hinter uns, fernes Grollen, 2 Blitze, erste Regentropfen fallen. In der nächsten Bucht gibt es überaschenderweise ein verlassenes Bootshaus, und als der Regenguss so richtig losprasselt sind wir bereits geschützt. Nach 15min blinzelt die Sonne wieder hervor, wir paddeln weiter.
In Finnland gilt „Jedermanns Recht auf Natur“, das heißt es ist erlaubt, draußen zu schlafen, mitten in der Natur ein Nachtlager zu errichten und an sicheren Plätzen Feuer zu machen. Dabei wird mancher Orts sogar nachgeholfen, und bei Abendrot erreichen wir einen öffentlichen Campfire Platz. Der ist tatsächlich bestens ausgestattet: Unterstand, trockener Holzvorrat, Säge, Hacke und Zündhölzern, Mülltrennungstonnen, Plumpsklo, es gibt sogar Klopapier, und völlig menschenleer – was für ein Luxus! Erstmals ist kein Zelt aufzubauen, sondern wir haben richtig Platz in dem aus runden Baumstämmen gezimmerten Unterschlupf, bestehend aus 3 geschlossenen Seitenwänden und erhöhter Liegefläche.
Es hat abgekühlt und wir wärmen uns am Feuer. Um 23.00 Uhr, nach einer ewig scheinenden Dämmerung, ist es kurz vor Dunkelheit.

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Tag 11
Es ist deutlich kälter als an den Vortagen. Die Strömung hat auf Nord gedreht, was uns kalte Luft und einen dunklen Himmel beschert, wir schlafen ausnahmsweise etwas länger, bis 7.30 Uhr. Bald nachdem wir ablegen ist der erste Regenschauer im Anmarsch, wir haben starken Seitenwind. Nach den ersten Kilometern aber sind wir glücklich, denn wir müssen in südliche Richtung in einen natürlichen Kanal einbiegen, jetzt heißt es endlich mal unsere Beinsegel hissen! Immer wieder prasselt es auf uns herab, aber bei starkem Rückenwind ist dieser Teil des Kanals quasi geschenkt. Wir machen 10km in 1 Stunde!
Es wird landschaftlich eng und spannend. Bald bin ich völlig ausgekühlt, aber im darauffolgenden Streckenabschnitt bei heftigen Böen aus seitlicher Richtung wird mir schnell wieder warm.

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Tag 12
Nach einigen Kilometern aus einem Seitenarm heraus gelangen wir am späten Vormittag auf die offener werdenden Wasserflächen des berühmten großen Saimaa-Sees. Trotz des vor uns liegenden riesigen Sees ahnen wir hier bereits unsere voraussichtliche Ankunft am Ziel für den nächsten Tag. Günter plant bei einer Pause die entsprechende Streckenaufteilung. Das für heute noch vor uns liegende Stück besteht aus einer stundenlangen Querung einer immensen Seefläche und morgen aus einem engen, kanalartigen Stück bis nach Lappeenranta. Da wir heute ruhige Bedingungen haben, beschließen wir, die große Querung von Saimaa heute noch durch zu ziehen.
Die Dimension ist für uns wieder einmal enorm beeindruckend: eine ruhige, spiegelnde Wasseroberfläche, schwarz wie Öl, hinter manch einem Inselchen vorbei geblickt sieht man das westliche Ufer des Sees nicht mehr. Wir paddeln und paddeln, außer unserer eigenen regelmäßigen Paddelschläge hören wir nichts.
Irgendwann gibt Günter Meldung, dass es laut seiner Karte auf einer bestimmten, vor uns liegenden Insel einen Campfire-Platz gibt – nichts wie hin! Am Ende des Tages befinden wir uns an einer einsamen 30 Meter breiten Landenge, die mit Kiefern bewachsen ist, links und rechts jeweils eine schöne Bucht, und mitten drin ein Feuerplatz.

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Tag 13
Gestern haben wir uns vorgenommen, heute extra früh los zu legen, um gegen Mittag an unserem Zielhafen Lappeenranta an zu kommen. Bereits in der Nacht hören wir aber die Bäume über uns im zunehmenden Wind rauschen. Die Schaumkronen außerhalb unserer geschützten Bucht machen uns abwarten. Erstmal ausgiebig frühstücken. Irgendwann brechen wir doch auf, es nützt ja doch nichts! Die erste freiere Fläche kommen wir trotz ca. 20km/h Gegenwind gut voran, man merkt unsere dazu gewonnene Kraft. Sobald wir in Kanalnähe kommen, fängt es so richtig an, durch zu blasen, jeder Meter, von Brücke zu Brücke, von Steg zu Steg, ist hart erkämpft. Man merkt die Nähe zur Stadt an den häufigeren Häusern an den Ufern.
2 Stunden Pause, Mittag essen, und weiter gegen den Wind, der uns den gesamten Tag direkt von vorne anbläst. Hier kommt uns wieder ein große Dampfer entgegen, der auf die Nähe unseres Ziels, den Hafen von Lappeenranta, schließen lässt. Diese Tagesetappe, die letzte unserer Paddelreise, ist nur 15km lang, aber hart erkämpft, bei Böen bis zu 40 km/h, bis wir endlich in einem Nebenhafen in Lappeenranta einpaddeln. Wir sind am Ziel.
Zum Sonnenuntergang haben wir bereits Pizza und Kuchen organisiert. Ein freundlicher Finne, der von einem Fischerausflug mit seinem kleinen Motorboot zurück kommt und von unserer Reise begeistert ist, schenkt uns sogar eine Flasche Sekt. Auch ich bin beeindruckt und Stolz auf mich und unserer außergewöhnliche Reise.

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